Landesgeschichte - Königreich Sachsen

Der Bruderkrieg.

Die Schlacht bei Bautzen (20./21. Mai 1813) markierte den entscheidenden Abschluss des Frühjahrsfeldzugs nach der Schlacht bei Großgörschen. Die verbündeten preußisch-russischen Truppen hatten sich auf die Höhen nördlich von Bautzen und bis Wurschen zurückgezogen und dort Schanzen und starke Verteidigungsstellungen errichtet. Die Franzosen unter Napoleon versuchten in mehreren Wellen, diese zu durchbrechen.

Hinter Bautzen nach dem Dorfe Wurschen zu hatten die Verbündeten alle Anhöhen besetzt und sich überdies noch in aufgeworfenen Schanzen feste Haltepunkte verschafft.“

Am 21. Mai erkannte Napoleon eine Schwäche in der Besetzung bei Kreckwitz und leitete dort einen Durchbruch ein, was die Verbündeten zu einer Umgruppierung zwang. Dies wiederum nutzte er zu einem Angriff auf den rechten Flügel – mit Erfolg. Dennoch war der militärische Gewinn begrenzt:

Obgleich Sieger, hatte Napoleon doch keine einzige Kanone erbeutet und nur wenig Gefangene gemacht; ja er hatte sogar einen ungemein großen Verlust zu beklagen.“

Die Alliierten zogen sich geordnet über Görlitz nach Schlesien zurück. Napoleon blieb der formale Sieger, doch die strategische Wende blieb aus.

König Friedrich August I. von Sachsen war zwischen Loyalität zu Napoleon und der Einsicht in dessen Niedergang zerrissen. Anfang 1813 zog er sich aus der direkten Allianz mit Frankreich zurück, suchte zunächst Distanz, verweigerte die Vereinigung seiner Truppen mit den französischen und wich nach Prag aus.

Unser König wollte sich dem französischen Einflusse entziehen und begab sich von Plauen nach Regensburg und später nach Prag.“

Doch Napoleon forderte ultimativ seine Rückkehr und drohte mit der Behandlung Sachsens als erobertes Land. Friedrich August musste sich fügen:

Binnen zwei Stunden solle er sich entscheiden […] Wo nicht, […] so würde Sachsen als ein von Frankreich erobertes Land angesehen und behandelt werden.“

Der König kehrte nach Dresden zurück, um das Schlimmste für sein Land abzuwenden. Napoleon lobte seine Treue öffentlich:

Liebt euren König, seht in ihm den Retter Sachsens! […] Wäre er kein so redlicher Bundesgenosse gewesen, […] so wäre Sachsen verloren gewesen.“

Die sächsischen Truppen kämpften in französischen Reihen – gegen Preußen und Russland. Das bedeutete faktisch einen Krieg unter Deutschen auf sächsischem Boden. Dieser Bruderkrieg wurde durch Napoleons Strategie erzwungen, während Sachsen sich zerrieben sah:

Sachsen überschwemmten nicht blos die Franzosen, sondern auch die Russen und Preußen […] das sächsische Grund und Boden bald wieder Zeuge der blutigsten Waffenthaten werden würde.“

Die Zivilbevölkerung litt unermesslich. In der Lausitz wurden 24 Dörfer niedergebrannt. Dresden wurde zum Lazarett. Verwundete lagen auf den Straßen. Lebensmittel waren knapp, Ernten vernichtet:

Für die Menschen gab es kein Brot, für das Vieh kein Futter […] auf den Feldern keine Ernte.“

Trotz taktischen Erfolgs schloss Napoleon bald den Pläswitzer Waffenstillstand (5. Juni 1813), nicht zuletzt, weil seine Verluste hoch waren und die Koalition sich sammelte. Doch Napoleon hatte nicht vor, Frieden zu schließen – er wollte Zeit gewinnen:

Offenbar wollte er nur Zeit gewinnen, um neue Streitkräfte heranziehen zu können.“

Diese Phase führte zur weiteren Militarisierung Sachsens und zur Vorbereitung auf die Herbstfeldzüge, die schließlich in der Völkerschlacht bei Leipzig gipfelten.

Die Schlacht bei Bautzen.

Die Schlacht bei Bautzen steht exemplarisch für die politische, militärische und menschliche Zerrissenheit Sachsens im Jahr 1813.

Aus militärischer Sicht war die Schlacht bei Bautzen ein taktischer Sieg Napoleons ohne strategische Wirkung. Politisch betrachtet folgte ein ein König aus Not dem Diktat Frankreichs. Das sächsische Volk leidet zwischen den Fronten und muß gegen eigene Brüder kämpfen.

Sachsen wurde im Frühling 1813 zur Bühne eines von außen herangetragenen Bruderkrieges – zwischen Treue, Zwang und dem verzweifelten Versuch, das eigene Land vor völliger Verwüstung zu retten.

Quelle der Zitate: (Geschichte des Königreichs Sachsen mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten culturgeschichtlichen Erscheinungen. , ab S. 402, Geschichte des Königreichs Sachsen mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten culturgeschichtlichen Erscheinungen. - Staatsbibliothek des ewigen Bundes)

Denkmal zur Schlacht bei Bautzen 1813

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